Es gibt diese Momente in der Tech-Welt, in denen ein einzelnes Event plötzlich viel mehr erzählt als nur "hier sind unsere neuen Produkte". Samsungs nächstes Galaxy Unpacked am 22. Juli ist so ein Moment. Auf der Bühne stehen drei faltbare Handys, zwei Smartwatches und Samsungs erste ernstzunehmende KI-Brille. Klingt nach dem üblichen Sommer-Feuerwerk. Aber wenn man genauer hinsieht, erzählt dieses Event vor allem eine Geschichte darüber, wie eng Consumer-Gadgets und der weltweite KI-Boom inzwischen zusammenhängen, und warum das ausgerechnet an deiner Geldbörse hängen bleibt.
Wir haben uns angeschaut, was da kommt, was davon gesichert ist und was noch Gerücht bleibt. Und wir sagen ehrlich dazu, was man als Käuferin oder Käufer daraus mitnehmen sollte.
Erst mal: Was ist eigentlich fix?
Offiziell bestätigt hat Samsung das Datum noch nicht, aber es gilt als so gut wie sicher. Ein Gutschein in der Galaxy-Members-App in Malaysia trägt ein Einlösedatum vom 22. Juli für "noch nicht erschienene Foldables", dazu kommen FCC-Zulassungen für die neuen Geräte und Berichte koreanischer Wirtschaftsmedien. Ungewöhnlich ist der Ort: Das Sommer-Unpacked findet zum ersten Mal in London statt, also weder in Südkorea noch in den USA (Tech Times).
Der Grund dafür ist kein Zufall, sondern Taktik. Apple wird seinem ersten faltbaren iPhone im September nachgesagt, und Europa ist Samsungs härtester Foldable-Markt. Samsung will seine Geräte also in den Händen der Leute und in den Testberichten haben, bevor Apple die Schlagzeilen übernimmt. London als Bühne ist damit weniger ein Standort als eine Ansage.
Das faltbare Handy wird endlich erwachsen
Interessant ist bei diesem Unpacked nicht das stärkste Handy, sondern die Form.
Jedes buchartige Galaxy Fold seit dem Original von 2019 hatte ein hohes, schmales Innendisplay. Gut für Textdokumente im Hochformat, aber nie so richtig das kompakte Tablet, das Samsung immer versprochen hat. Das neue Galaxy Z Fold 8 Wide wirft diese Geometrie über Bord: Das Innendisplay misst rund 7,6 bis 7,8 Zoll im Seitenverhältnis 4:3, ist also kürzer und breiter. Aufgeklappt fühlt es sich damit eher wie ein kleines Tablet an als wie ein überlanges Hochkant-Handy.
Für wen sich das lohnt? Für alle, die tatsächlich mit dem Gedanken spielen, ein Foldable als Tablet- oder Laptop-Ersatz zu nutzen. Zwei Fenster nebeneinander, Videos im Querformat, die Bildschirmtastatur: All das wird im 4:3-Format deutlich angenehmer. Der technische Preis dafür ist konkret. Das flexible Deckglas ist beim Wide dicker (rund 60 Mikrometer statt 45 beim klassischen Modell), was die Falz-Kante weniger sichtbar macht und Stürze besser wegsteckt, sich dafür aber schwerer falten lässt. Samsung hat sich hier bewusst für weniger Knick und gegen maximale Dünnheit entschieden. Die Kamera ist mit zwei 50-Megapixel-Linsen (Weitwinkel plus Ultraweitwinkel) solide, aber ohne echtes Tele. Wer optischen Zoom will, muss zum größeren Bruder greifen.
Der heißt Galaxy Z Fold 8 Ultra und bringt genau die drei Upgrades, die sich Fans seit Jahren wünschen: einen größeren Akku (5.000 statt 4.400 mAh), endlich schnelleres Laden mit 45 Watt statt der jahrelangen 25-Watt-Grenze, und eine spürbar reduzierte Falz-Kante. Dazu eine 200-Megapixel-Hauptkamera und der aktuelle Snapdragon-Spitzenchip. Sieben Jahre Software-Updates sind bestätigt. Kurz gesagt: das Foldable, das viele beim Fold 7 schon erwartet hatten.
Das dritte Gerät, das Galaxy Z Flip 8, ist das kleinste Update und vielleicht ein kleiner Abschied. Es wird dünner und leichter, bekommt ein überarbeitetes Scharnier und mehr Arbeitsspeicher. Spannender als das Datenblatt ist aber ein hartnäckiges Gerücht: Gleich zwei unabhängige Leaker behaupten, das Flip 8 könnte Samsungs letztes Klapphandy im Muschel-Format sein, weil das Unternehmen seine Kräfte auf das breite Fold-Format bündelt. Bestätigt ist das nicht, und die Produktionszahlen passen zwar ins Bild, aber das kann sich bis zum 22. Juli auch anders lesen. Nehmt es also als plausibles Gerücht, nicht als Fakt.
Der eigentliche Aufreger: die "Speicher-Steuer"
Jetzt kommt der Teil, der nichts mit Scharnieren und Seitenverhältnissen zu tun hat und trotzdem alle betrifft. Die Preise steigen. Und Samsung kann relativ wenig dafür.
Der Grund liegt tief in der Halbleiter-Branche und heißt: KI-Rechenzentren. Die KI-Beschleuniger von Nvidia und Co. brauchen sogenannten High-Bandwidth-Memory, eine besonders schnelle, gestapelte Speicherart. Pro Gigabyte verschlingt deren Produktion rund dreimal so viel Chip-Fläche wie der normale Handy-Speicher. Weil die Chipkonzerne ihre Kapazitäten Richtung KI-Speicher umschichten, um den Datacenter-Hunger von Amazon, Microsoft und Google zu stillen, wird der klassische mobile Speicher knapp. Die Folge: Der Preis für 12-Gigabyte-Handyspeicher soll im zweiten Quartal 2026 um satte 89 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein, und Samsung verhandelt bereits über bis zu 20 Prozent höhere Speicherpreise im dritten Quartal (Tech Times).
Für die Geldbörse heißt das zweierlei. Erstens: Die teuren Speicher-Varianten der neuen Falter kosten überproportional mehr. Die 1-Terabyte-Version des Fold 8 Ultra könnte laut geleakten Zahlen Richtung 2.700 US-Dollar wandern (europäische Preise weichen erfahrungsgemäß ab, aber die Richtung stimmt). Zweitens, und das ist die unbequemere Nachricht: Warten hilft nicht. Marktforscher von Gartner rechnen frühestens Ende 2027 mit Entspannung und prognostizieren, dass die durchschnittlichen Smartphone-Preise bis Jahresende um rund 13 Prozent steigen (Gartner). Das Handy in sechs Monaten wird also nicht billiger, weil der Grund nicht saisonal, sondern strukturell ist. Der einzige verlässliche Hebel bleibt der Eintausch des alten Geräts, und die dicksten Trade-in-Boni gibt es meist nur im Vorbestell-Fenster.
Man kann das auch als Lehrstück sehen: Der KI-Boom ist längst nicht mehr nur eine Sache von Chatbots und Rechenzentren. Er sickert bis in den Preis des Handys durch, das ihr in die Hosentasche steckt.
Die Wildcard: Samsungs erste KI-Brille
Das vielleicht spannendste Gerät auf der Bühne ist gar kein Handy. Die Galaxy Glasses (intern "Jinju", designt mit Gentle Monster und Warby Parker) sollen in London ihre volle Spezifikation und wohl auch den Preis bekommen. Es ist Samsungs erster ernsthafter Angriff auf Metas Ray-Ban-Brillen.
Das Konzept: Die Brille selbst rechnet nicht viel, sondern lagert die schwere Arbeit ans gekoppelte Handy aus. Sie bringt Mikrofone, Lautsprecher, eine 12-Megapixel-Kamera und den Zugriff auf Googles KI Gemini. Damit gehen Dinge wie Schritt-für-Schritt-Navigation zu Fuß, Echtzeit-Übersetzung (die sogar die Stimmfarbe des Sprechers nachahmt) und Objekterkennung nach dem Motto "Was ist das für ein Gebäude da vorne?". Weil die Brille eben kein eigenständiger Computer ist, wird ein Preis von rund 379 bis 499 US-Dollar für die erste, reine Audio-Version realistisch (Tech Times).
Der Haken ist der Vorsprung der Konkurrenz. Meta hat von seinen Smart Glasses schon über sieben Millionen Paar verkauft und einen entsprechenden Reifegrad bei Produkt, Handel und Marke. Samsungs Trumpf ist die Tiefe von Gemini und die Anbindung an Google Maps und das Android-Universum, dazu die Kompatibilität mit iPhones. Ob das reicht, um Menschen wirklich zum Umstieg zu bewegen, ist die offene Frage. Und wer an Datenschutz denkt: Eine Kamera, die man den ganzen Tag im Gesicht trägt, ist ein Thema für sich, zu dem Samsung bisher wenig Konkretes gesagt hat.
Und die Uhren?
Kurz, weil auch spannend: Die Galaxy Watch Ultra 2 bekommt einen deutlich größeren Akku (rund 33 Prozent mehr) und zum ersten Mal in der Galaxy-Watch-Geschichte einen Qualcomm-Chip statt Samsungs eigenem Silizium. Der bringt eine kleine KI-Recheneinheit direkt ans Handgelenk, sodass einfache Gemini-Anfragen ohne Umweg über das Handy laufen. Dazu kommen neue Gesundheitsmetriken. Der Trend ist klar: KI wandert aus der Cloud in immer kleinere Geräte am Körper.
Was heißt das jetzt für dich?
Wenn du ohnehin ein neues High-End-Handy brauchst und mit dem Foldable-Format liebäugelst, ist der 22. Juli dein Tag: Das Fold 8 Wide macht das faltbare Handy zum ersten Mal wirklich zum Tablet-Ersatz, und die Vorbestell-Boni sind der einzige echte Preishebel. Wenn du kein Foldable brauchst, ist die wichtigste Erkenntnis eine andere. Die Preise für gute Handys werden auf absehbare Zeit eher steigen als fallen, weil der KI-Hunger nach Speicher die ganze Branche umkrempelt. Ein gut gepflegtes Gerät länger zu behalten, ist damit 2026 nicht nur nachhaltig, sondern schlicht vernünftig.
Und wenn wir bei Herr Paul eines aus dieser Geschichte mitnehmen, dann das: Technik entwickelt sich gerade in einem Tempo, bei dem die eigentliche Kunst nicht darin liegt, jeden Trend mitzumachen, sondern zu erkennen, welcher davon für einen selbst wirklich einen Unterschied macht. Bei Falt-Handys, KI-Brillen und dem nächsten großen Ding ist genau das die spannende Frage. Wir schauen genau hin, damit ihr es nicht müsst.
Quellen
- Samsung Unpacked July 22 in London: Foldables, Glasses, and Rising Prices, Tech Times, 3. Juli 2026
- Samsung Galaxy Unpacked 2026: Fold 8, Galaxy Glasses, and the Memory Tax Explained, Tech Times, 28. Juni 2026
- Samsung and Google reveal Gemini smart glasses, Tech Times, 20. Mai 2026
- Gartner: Surging memory costs will reduce global PC and smartphone shipments in 2026
- Samsung Galaxy Unpacked 2026 preview, Tom's Guide
